ÜbeLsetzung! – Ein Streifzug für und gegen den „Spießer“


Wie viel Wie viel Spießer steckt in dir? (Foto von Jose Cenjor Martin: mehr unter www.flickr.com/imkjose) www.flickr.com/imkjose

Wie viel Spießer steckt in dir? (Foto von Jose Cenjor Martin: mehr unter http://www.flickr.com/imkjose)

Du Papa – wenn ich groß bin, will ich auch mal Spießer werden!“    

Vor kurzem hatte ich ein interessantes Gespräch mit einer deutschlernenden Amerikanerin. Es ging über die Eigenheiten der deutschen Sprache, besser gesagt über das Wort “spießig”. Doch sie konnte nichts mit diesem Wort anfangen. Also versuchte ihr die Bedeutung dieses Wortes zu erklären, was uns dann über das Wort spießig an sich nachdenken ließ. Was ist spießig? Wer ist spießig? Wen würdest du als Spießer bezeichnen

Vergebens blätterte ich im Wörterbuch: Nichts, naja, lediglich ein paar Bedeutungen wie ‚bourgeois‘ oder ‚middle-class‘.    

Der Rasen muss gemäht werden – nach exakter Vorgabe … 5mm, nicht mehr und nicht weniger

    

Naja, dass es Spießer mit allem ein wenig (zu) genau nehmen, ist uns ja bekannt. Aber was heißt denn jetzt spießig im Englischen? Ich wollte mich mit all den Übersetzungen nicht zufrieden geben! Ich glaube nämlich, dass sie nämlich nicht die wahre deutsche Bedeutung von “spießig” liefern. An was denkst du, wenn jemand „hey, was für ein Spießer sagt“? – Ein Reihenhaus? „1,33“ Kinder (der deutsche Durchschnitt)? Einen kleinen Vorgarten, in dem man in liebevoller Kleinarbeit sein eigenes Gemüse züchten kann? Hängen im Schrank bunte Krawatten mit Kartoons? … alles ein bissel mit der schwäbischen „Schaffa, Schaffa, Häuslebaua“-Mentalität angehaucht? Oder ist das „Spiessertum“ doch etwas anderes?    

Was bei den Briten anders läuft

    

Nun kurz zurück zu den Übersetzung, das mir das Lexikon an den Wort warf. Ich denke eher, dass sich das Wort ‚bourgeois‘ im Englischen eher auf die gesellschaftliche Schicht bezieht. England, vor allem, ist ja noch viel mehr auf die Herkunft und das Klassensystem bezogen als Deutschland. Ein Londoner kann zum Beispiel genau sagen, ob jemand der Oberschicht oder der Arbeiterklasse angehört, allein schon wegen des Dialektes und der Wortwahl.    

Ist das Wort „spießig“ im Deutschen nicht viel eher an die Mentalität – an Kleinkariertheit und Engstirnigkeit geknüpft? Und weniger an das Klassensystem?    

Unsere Erklärung

    

Ich gehe Dingen nun mal gerne auf den Grund. Die Amerikanerin und ich, wir dachten ein wenig nach und kamen schlussendlich zu Folgendem. Wir überlegten uns, dass der Bedeutungsunterschied vielleicht wegen des zweiten Weltkriegs bestünde. Denn dieser hat Deutschland zum Beispiel mehr als die USA in seiner Mentalität erschüttert.    

Die Nachkriegszeit in Deutschland

    

Wir schreiben das Jahr 1945, Stunde Null: 30 Millionen Menschen ohne Heimat, 35 Millionen Menschen in Deutschland verwundet! Kälte, Hunger, Plünderungen an der Tagesordnung.    

Ist es nicht verständlich, dass diese Menschen oder die Nachkommen jener sich um ihr Hab und Gut Sorgen machen? Sich mit einem Vorgarten zufrieden geben? Auf jeden Cent schauen, um danach jeden Einzelnen für den zweiwöchigen Urlaub im Jahr auszugeben? Soziale Sicherheit – Das gabs vor einigen Jahrzehnten nicht. Das ist am Wichtigsten…. und dazu muss man nun mal penibel und peinlichst genau sein.    

(mehr Fotos von Jose Cenjor Martin)

Werbeanzeigen
Veröffentlicht unter Kleine Sprachgeschichten aus dem Alltag, Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , | 2 Kommentare

Wie ein Schwein die Geschichte von Wilhelm dem Eroberer erzählt


Schweine eignen sich nicht nur zum saftigen Sonntagsbraten

Schweine eignen sich nicht nur zum saftigen Sonntagsbraten

Schwein bleibt Schwein. Zumindest im Deutschen. Ob wir nun vom eigentlichen Tier sprechen oder vom Schweinshax’n, es taucht immer wieder das Wort Schwein auf. 

Der Unterschied zum Englischen

 

Ganz anders im Englischen, existieren doch die zwei Begriffe: „pig“ und „pork“. Dabei bezeichnet pig das eigentliche Tier, von dem wir pork (Schweinefleisch) essen. 

Doch warum gibt es im Englischen zwei Begriffe, um das Tier und unsere Mahlzeit zu unterscheiden? 

Warum ein Schwein die Geschichte wieder zählt?!

 

Diese Frage lässt uns zurück schweifen in die Zeit Wilhelm des Eroberers. Wir schreiben das Jahr 1066, als dieser kühne Normanne in der Schlacht von Hastings England erobert. Die angelsächsischen Adeligen werden enteignet, die dortige Bevölkerung versklavt und unterjocht. Sie mussten auf dem Hof arbeiten, Schweine und Ziegen hüten. Doch was hat das mit „pork“ und „pig“ zu tun? … ziemlich viel! 

Der Ursprung der Wörter

 

Einige Zeit habe ich mir Gedanken zum Ursprung des Wortes pig gemacht und stieß schlussendlich auf Folgendes: Das englische Wort pig stammt wahrscheinlich vom angelsächsischen Wort „pecga“ ab. 

Wenden wir uns nun dem Wort „pork“ zu: „Pork“ ist französisch für „Schwein“ sowie „Schweinefleisch“. Na? Ist der Groschen gefallen? 

Das Schwein dem Schweinehirten, das Fleisch dem Burgherren

 

Nach Wilhelms Eroberung im 11. Jahrhundert waren die Angelsachsen lediglich Untertanen – sie durften die Schweine hüten. Während die normannischen Herren auf ihrer Burg das Schweinefleisch verspeisten. 

Demnach behielten die Angelsachsen ihr Wort für Schwein, übernahmen aber das französische Wort für Schweinefleisch, das sie ja selbst nie essen durften. Es war ja den normannischen Adeligen vorenthalten. 

Welche anderen Wörter erzählen wohl noch unsere Geschichte, unsere Eroberungen, Niederlagen? 

Veröffentlicht unter Etymologie- Wortherkunft | Verschlagwortet mit , , , , , , | 1 Kommentar

Saftige, zarte Spareribs sollten nicht spärlich sein!


Der Export-Schlager ist ursprünglich deutscher Herkunft
Der Export-Schlager ist ursprünglich deutscher Herkunft

Wie ich auf die Rippchen stiess

Meine beste Freundin ist Anhängerin, nein, nicht Anhängerin von Greenpeace oder ergebener FCBayern-München Fan, sondern loyale Liebhaberin von zarten Schweinerippchen in Barbecuesauce.
Und es war wiedermal soweit: Als sie mich besuchen kam, durfte diese Gelegenheit natürlich nicht ungenutzt bleiben, um Spareribs essen zu gehen. Denn wer lässt sich nicht schon gern zarte Schweinerippchen auf der Zunge vergehen?
Spareribs? Spare? Naja, eigentlich wollten wir nicht „spärlich“ an dieser Spezialität ergötzen. Und so kam es dazu, dass ich mich auf die Suche nach dem wahren Ursprung der Spareribs begab.

Schweinerippchen als Gourmet-Exportschlager

Nichts geht über ein paar zarte, gegrillte Spareribs. Das dachten sich auch schon die vor ein paar Jahrhunderten die Engländer, als sie diese damalige norddeutsche Spezialität importierten.
„Ribbessper“, bzw. „Ribbensper“ wurden diese Köstlichkeiten noch von unseren norddeutschen Vorfahren genannt, als diese noch Schweinerippchen am Spieß überm Feuer grillten.
Und genau dort liegt der Ursprung. Denn „Ribbessper“ bedeutet nichts anderes „Ribbe“ und „sper“, demnach am „Speer“, oder besser gesagt am Spieß gegrillte Rippe. Die Engländer wussten sich wohl damals nicht anders zu helfen, als das Wort aufzugreifen und einfach englisch auszusprechen.
Demnach hat Spareribs (wohl gottseidank) wenig mit „spärlichen“ oder „Reserverippchen“ zu tun, wie man wohl bei der Übersetzung diesen vermeintlichen englischen Wortes annehmen könnte.

Beim nächsten Mal „Rippe am Spieß“ kannst auch Du Dich drauf besinnen, dass wir Deutschen die eigentlichen Erfinder und Namensgeber dieses Gourmet-Exportschlagers sind!

Welche anderen „Wort-Exporte“ fallen Dir noch ein? …. Zeitgeist, Sauerkraut… doch es gibt tausende mehr, bei denen man eigentlich ihren wahren Ursprung nicht annehmen würde.

Veröffentlicht unter Etymologie- Wortherkunft | Verschlagwortet mit , , , , , , | 10 Kommentare