Emotionaler Exhibitionismus – wie pinkelst du?


Das Spiel mit der Intimität - emotionaler Exhibitionismus bei Facebook, Twitter & Co.

Das Spiel mit der Intimität - emotionaler Exhibitionismus bei Facebook, Twitter & Co.

Möchte ich wirklich wissen, wann Britney Spears pinkelt – sit venia verbo – oder sich mit Lady Gaga – Pardon, ich meinte natürlich @Ladygaga – trifft? Sind wir derart von Sensationsgeilheit in Bann gezogen? Sind wir so verzweifelt und wünschen, dass auch Stars und Sternchen ganz normale Dinge tun, keine Übermenschen, keine besseren Menschen sind? Wir wollen einen ganz normalen Otto Normalverbraucher sehen. Wir wollen sehen, dass auch Hollywoodstars so wie du und ich sind.  

Im Sog von Twitter

Die neue Modedroge am Bildschirm heißt Twitter. Aber nein, ich möchte mich jetzt nicht selbst als Klugscheißer(in) outen, denn ich habe mich ja selbst in die Fesseln Twitters geworfen und freiwillig versklavt. Grenzt geradezu nur an gedanklichen Masochismus!  

Ein Lego-Baukasten aus Buchstaben

Doch was passiert mit unserer Kommunikation, mit unserer Sprache? Was passiert mit dem, was uns vom Tier unterscheidet? Was wird aus Gedanken, die sich in Wörter und Buchstaben kleiden? Buchstaben werden nur in einen Lego-Baukasten geschmissen, aus dem wir tagtäglich aufs Neue Gesülze zusammenbasteln können. Manche benützen Twitter so wie das Gespräch am Gartenzaun mit der Nachbarin; aber manche lassen auch gleich die Haustür soweit offen, damit man Intimitäten mitbekommt, die nicht für jedermanns Ohr gedacht sind.  

Ich glaub, du hast ‚nen Vogel! – Na und … mein Vogel, der twittert halt gern!

Den lieben langen Tag sitze ich wie ein Vögelchen im Käfig. Vor mir recken Buchstäbchen ihre Köpfchen aus der Einstreu hervor. Ja, ich fühle mich zurecht im Käfig gefangen, in dem ich nur frech vor mich hin mal mehr, mal weniger Nützliches vor mich hintwittern darf.  

Ich bin bei Facebook– holt mich hier raus!

Kommunikation verliert ihren zielgerichteten Charakter. Wir speisen unseren Status mit mal mehr und mal weniger intimen Dingen. Die Frage ist nur: Wen interessiert’s? Mich zumindest interessiert‘s nicht, wenn ich meinem Facebook-Konto an einem Sonntagmorgen lesen darf, wo sich User Max Mustermann nachts herumgetrieben hat oder was er auch aufgrund zu hohen Alkoholgenusses von sich gegeben hat. Zugern hätte ich oftmals meinen Senf dazu abgegeben und ein „Wen interessiert’s“ darunter gesetzt. Vielleicht interessiert sich ja einmal der zukünftige Chef für die Partybilder von letzter Nacht, die Max M. mit Stolz auf seiner Pinnwand an die große Glocke hängen musste. Denn für alle diejenigen, dies noch nicht wussten: Facebook-Konten löscht man vergeblich. Zu Recht also: Ich bin bei Facebook – holt mich hier raus!  

Ein bisschen Gedankenmüll schadet nie

Wie eine Rund-E-Mail senden wir unsere Gedanken aus. Wir müllen ganze Twitterwände und Facebook-Accounts mit dem nutzlosen Buchstabenabfall zu. Wir belästigen andere mit unserer gedanklichen Kotze – Verzeihung – und warten auf eine Rückmeldung… Irgendeine… und sei es nur ein „I like“ unseres hochverehrten, vergötterten Facebook-Freundes. Danach fühlen wir uns gekräftigt und stark. Voller Selbstbewusstsein können wir endlich sagen: „Ja, seht her, auch ich habe Freunde“. Freunde in einem virtuellen Netz, das einem vorgaukelt, Freunde zu haben.  

Ich würde das Spiel mit der Intimität ganz einfach so nennen: Emotionalen Exhibitionismus!

Veröffentlicht unter Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , | 6 Kommentare

Von Toreros und Tapas – wie auch ich mich im Irrgarten der Sprache verirrt habe


Eine Anekdote über meine persönlichen Erfahrungen in Madrid – ein erlebnisreicher Sommer voller unvergesslicher Erinnerungen, kulturellen Bereicherungen und sprachlichen Genusshäppchen

Die Reise ins Unbekannte

Deutsche Sprache, schwere Sprache!
Deutsche Sprache, schwere Sprache!

3. Juni 2010 – es war soweit. Endlich brach ich auf zu meiner neuen Reise, zu meinem neuen Abenteuer in Madrid. In der Hauptstadt Spaniens wollte ich diesen Sommer ein Praktikum machen, weil ich ja seit Oktober letzten Jahres eifrig Spanisch an der Uni lernte.

Eine neue Fremdsprache

Zugegebenermassen, acht Monate eine Sprache zu lernen ist nicht viel. Man kann sich vielleicht in einem Restaurant einen Hamburger bestellen oder auf der Straße nach dem Weg fragen. Aber geht es denn auch in einem fremden Land mit fremder Sprache ein Praktikum zu machen? Ich zumindest wollte das Gegenteil von der so häufigen Meinung beweisen.

Verwirrung im Irrgarten der Sprache

Als dann endlich in Madrid mein Praktikum begann, hätten die Leute auch ebenso gut Chinesisch mit mir reden können. Auch wenn man keine „Tomaten auf den Ohren“ hat, so präsentieren sich die Anfänge in einer neuen Fremdsprache immer schwer. Wer hier hofft, mit Englisch weiterzukommen, hat weit gefehlt. Englisch ist hier nicht gang und gäbe!

Not macht erfinderisch – auch wenn es um Fremdsprachen geht

Doch genau dies – der Zwang, eine Sprache sprechen zu müssen, – ist notwendig, um sie zu lernen. Wenn ich im Alltag überleben wollte, musste ich Spanisch sprechen, auch wenn meine Satzbasteleien so manche grammatikalischen Fehler enthielten. Wusste ich ein Wort nicht, so hatte ich keine Hemmungen, mich meiner Füsse und Hände zu behelfen, um ansatzweise etwas andeuten zu können. Mir blieb nichts anderes übrig, als mich auch manchmal zum Affen zu machen.

Wie eine Sprache ein Fenster öffnet

Was mich vor allem überrascht hat, waren die Geduld der Spanier und deren Bereitschaft, mir zu zuhören, mich zu verbessern und mir zu helfen. Mein Aufenthalt in Madrid war anfangs hart, lag es doch daran, dass meine Spanischkenntnisse wohl sehr gering waren. Die Offenheit der Spanier, die Bereitschaft und Offenheit meiner neu gewonnen Freunde und Bekannten, gaben mir Mut und Zuversicht, das auszusprechen, was ich wollte, auch wenn das wohl manchmal etwas sehr zaghaft von statten ging.

Wenig Aufwand, großer Effekt

Nie hätte ich gedacht, dass selbst solche wenigen Sprachkenntnisse, wie ich sie damals vor drei Monaten hatte, mir die Türen zu einer anderen Welt öffnen würden. Zu einer Welt, die halb verträumt ist, andere Werte pflegt, und sich noch nicht ganz wie das restliche Europa dem angelsächsischen Raum zugewendet hat.

Der beste Sommer meines Lebens

Nie hätte ich gedacht, dass ich selbst mit derart wenigen Sprachkenntnissen, mich derart gut in eine fremde Kultur integrieren kann, dass mich Menschen und Freunde so akzeptieren wie ich bin. Ich darf von diesem Aufenthalt in Spanien zu Recht sagen, dass es der beste Sommer meines Lebens war. Voller Wärme und Gastfreundlichkeit. Mein Aufenthalt hat mir gezeigt, dass dir andere Menschen – seien es auch Menschen anderer Kulturen – immer eine Chance geben, auch wenn du nicht ihre Sprache fließend spricht.

Wo ein Wille ist, da ist auch ein Weg

Die Voraussetzung ist der Wille; Wille, dich zu integrieren, ihre Sprache und Kultur zu lernen und zu verstehen. Zeigst du Willen und Bereitschaft, dich auf eine andere Mentalität einzulassen und sie aufzugreifen, werden dir die Menschen eines ihrer höchsten Güter schenken: ihren Respekt. Mit deutscher Verbissenheit kommt man da nicht weit. Wohl besonders mit Stolz hat es mich erfüllt, als mir eine Arbeitskollegin sagte, dass ich wohl schon spanischer sei als so manche Spanierin, dass sie mit mir eine Deutsche kennengelernt habe, die jeden Tag ein Stück spanischer werden würde.
Auf diese Weise hat sich Spanisch in mein Mosaik eingegliedert; in mein Mosaik der Fremdsprachen, Auslandserfahrungen, eigenen Herausforderungen und der Menschenkenntnis – eine wahrhafte Bereicherung für meinen „persönlichen Irrgarten der Sprache“.

Veröffentlicht unter Kleine Sprachgeschichten aus dem Alltag | Verschlagwortet mit , | 4 Kommentare

Wie Cäsar Claudia Schiffer vor dem Selbstmord rettet!


Eine Partyhochburg im Winter

Wir schreiben den 10. Januar, 49 v. Chr. Ein kalter, harter römischer Winter voller Schnee und Eiseskälte zieht sich über Rimini hinweg. Wer zu dieser hier Jahreszeit ist, will nun wirklich keinen Bade- und Partyurlaub in der heute so bekannten Touristenhochburg machen.

Die Claudia Schiffer der Antike

Latein ist die späte Rache der Römer an die Germanen!
Latein ist die späte Rache der Römer an die Germanen!

Unweit von Rimini entfernt fließt seelenruhig der Fluss Rubikon vor sich hin. Klares, eiskaltes Wasser, das sich friedlich und ohne Hektik der Adria nähert. (Der antike Rubikon mündete wahrscheinlich nördlich von Rimini in die Adria, sein genauer Verlauf ist aufgrund der Veränderung des Flusslaufes nicht mehr genau feststellbar.)
Doch siehe da, was muss mein trauriges Auge von Weitem sehen: Da steht ja ein Mädel direkt am Flussufer! Blondes Haar, heller Teint, 1, 80m groß, 90-60-90, mit einem Pelzrock um die Lenden, einer pechschwarzen Filzmütze auf dem Haupte und einem dicken braunen Mäntelchen um die Schultern gebunden. Die Claudia Schiffer der Antike, würd jetzad so manch einer sagen. Bei ihrem Anblick hätten sicherlich so manchem Südländer die Beine geschlottert.

Selbstmord als letzter Ausweg

„Nein – das Mädel will doch jeden Moment ins Wasser springen oder täusch ich mich? – „Stoppppp- nein…. wir haben jetzt keine Badesaison – zu Hilfe, zu Hilfe, SOS! Warum hilft denn niemand?“
Ostara – so der Name der germanischen Schönheit – steht hilflos am Wasser. Sie fühlt sich allein in diesem Land der Römer. Denn eines Tages, etwa vor sechs Jahren, als ihr Stamm der Usipeter bei den Galliern einfiel, passierte etwas Unglaubliche. Cäsar, ein gnadenloser römischer Feldherr, der zu dieser Zeit gerade Krieg in Germanien führte, schlug die Usipeter zurück, als sie bei Koblenz den Rhein überqueren wollten. Denn Frechheit muss bestraft werden. Naja, das ging nicht ganz ohne Verluste für die Usipeter aus, denn Ostara, unsere schöne, rotblonde kühne Germanin im Pelzlendenschurz wurde unter anderem dem unerbittlichen, rigorosen Feinde übergeben.

Die Welt der gnadenlosen Versklavung

Und so steht sie da nun – Ostara – unsere germanische Schönheit. Ihr Haar weht wild, doch unschuldig im Winde, Tränen in den azurblauen Augen. Sie kann nicht mehr! Sie kann nicht mehr so weiter leben, als Sklavin im Staat des erbarmungslosen Feindes. Lieber will sie vor die Hunde gehen, lieber in den Rubikon springen, um diese Welt voller Nostalgie, Wehmut und Leid wortlos hinter sich zu lassen. Schon setzt sie ihren rechten Fuß ins Wasser, ihre Ledersandalen tauchen in den eiskalten, klaren Rubikon. Sie spricht das letzte Gebet an ihre Göttin Freya, die über Tod und Leben herrscht. Heute will Freya ihr anscheinend den Tod schenken. Es gibt keinen Ausweg. Die menschenverachtende Demütigung der Versklavung nimmt ihr die Luft zum Atmen, erstickt sie am lebendigen Leibe.

Eine zwergenwüchsige Überraschung

„HALT!“ ertönt es plötzlich hinter ihr. Als Ostara vorsichtig ihren Kopf zurückdreht, erkennt sie einen kleinen Mann auf einem (für unsere Verhältnisse) Pony sitzend, der mit seiner Hackennase dem Gesicht auf so mancher römischen Goldmünze ähnelt. „Was hast du vorgehabt zu tun?“ fragte der (im Vergleich zur Germanin) kleinwüchsige Reiter empört, seine Hakennase rümpfend. Ostara schlottern die vor Kälte und Sturm blauen Knie, als sie erkennt, dass der ehrwürdige, zwergenwüchsige (wie die Römer nun mal zu der Zeit waren) Feldherr Cäsar höchstpersönlich vor ihr steht. „Ich will einen Schlussstrich ziehen, mein Leben macht keinen Sinn mehr. Alea iacta est – die Würfel sind gefallen!

Eine Lateinstunde der etwas anderen Art

FURCIFER, Cucurbitae Caput, Galgenstrick, du Hammelgesicht“ brüllt der kleine Feldherr im purpurroten Gewand da nur entsetzt von sich. Sein Haupte ist feuerrot vor Wut und gleicht sich wohl farblich seinem Mäntelchen an. „O Tempora, o mores! Wie kannst du es wagen, die Sprache Vergils und Horazes, so zu verunglimpfen? Schämst du dich nicht. Hat dir denn dein Lateinlehrer gar nichts beigebracht? EST??!! – DAS IST EINZAHL, UND NICHT MEHRZAHL. Und jetzt übersetz‘ mal richtig! Wir sind hier nicht in Germanien, wo man so übersetzen kann wie einem der Schnabel gewachsen ist.“ Ostara läuft rot wie eine Tomate an. Dem Feldherr gegenüber stehend, stottert sie langsam mit germanischen Akzent vor sich hin „Der Würfel ….äääähhh??“ „Hast du denn nicht etwa meinen neuesten Bestseller „De Bello Gallico“ (Der gallische Krieg) gelesen? Naja, war ja auch schwer noch ne Ausgabe zu bekommen“ unterbricht sie der Feldherr mit der Hakennase und dem silbergrauen Haar, „Innerhalb von Wochen im ganzen Imperium Romanum ausverkauft. Da hättest mal echt gutes Latein gelernt.

Latein ist die späte Rache der Römer an die Germanen

„Der Würfel ist geworfen worden?!“ bringt die nervöse, zitternde Lateinschülerin tief schnaufend von sich – ein Bild in dem sich wohl so mancher Lateinschüler von Heute wiedererkennt. „Da hast du aber noch mal Glück gehabt. Nächstes Mal mach‘ ich aber keine Ausnahme mehr. Zur Belohnung erlasse ich dir die Sklaverei. Gehe heim in dein Land und erzähle von MIR, dem unüberwindbaren, unübertrefflichen Gaius Julius Cäsar.“ Cäsar streift sich selbstverliebt durch sein silbergraues Haar.

Bei dieser ÜbeLsetzung hätte sich Cicero im Grabe umgedreht

Und so kam es (mehr oder weniger😉 )dazu, dass Ostara* schlussendlich Cäsar bei seiner Entscheidung half. „Rubikon überqueren oder nicht überqueren – das ist hier die Frage“. Der Feldherr in Purpur sagte dazu nur Folgendes: „Alea iacta est“ (korrekte Übersetzung: der Würfel ist geworfen worden), zu Deutsch: Der Würfel ist gefallen. Dass er mit der Überquerung des Rubikon den römischen Bürgerkrieg anzettelte, hätte ihm doch mal früher klar sein müssen.

(*Ostara ist lediglich ein Geschöpf meiner Phantasie, alle anderen Daten sind den antiken Quellen zufolge. z.B. vgl. Sueton für das Zitat „alea iacta est“, bzw. „De Bello Gallico“ für weitere Auskünfte über die Usipeter)

Veröffentlicht unter Sprichwörter & Zitate | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 2 Kommentare

„Für mich bitte einmal italienische Penisse all’arrabbiata!“


Man nehme

Spanische Leckerbissen im Schaufenster

Spanische Leckerbissen im Schaufenster

 

– 2-3 sonnengereifte Tomaten
– 1 Zwiebel
– 1 Chilischote
– 1 Knoblauchzehe
– 1 Bund Basilikum
– 1 Prise Salz
– 3 Esslöffel Olivenöl
– ½ feuerrote Peperoni 

Tomaten und Zwiebel häuten, entkernen und würfeln. Die Pfanne mit dem Olivenöl erhitzen und die gehackte Knoblauchzehe sowie Chilischote anbraten. Tomaten und Peperoni dazugeben und anschliessend 20-30 Minuten köcheln lassen. Aber das Umrühren nicht vergessen! Und Voilà: die Sauce „all’arrabbiata“ ist (hoffentlich) gelungen! 

Nur die Hauptzutat fehlt noch – wo sind unsere italienischen Penisse geblieben?!  

Die Küche lieber nur aus sicherer Distanz

Zugegeben, ich bin kein Jamie Oliver oder Alfons Schubeck, wenns ums Kochen geht! Ich gehe dem Kochen kulinarischer Gourmetschmankerl grundsätzlich aus dem Weg. Dann greife ich doch lieber auf schwäbische, selbstgemachte Käspätzle oder auf warmen, duftenden Zwetgschendatschi von Hotel Mama zurück! 

Selbst ist die Frau – Eine Erzählung von meiner Zeit in Madrid

Aber was soll ich machen? Ich wohne jetzt seit mittlerweile zwei Monaten in Madrid und wollte meine neugewonnen Freunde – Jose, Patricia, Elena und Eduardo – zum Essen einladen. Heute steht keine Tiefkühlpizza auf dem Speiseplan. Diesmal wollte ich doch endlich mal wissen, was für eine Gourmetköchin in mir steckt. Ich wollte etwas Leichtes und Leckeres zaubern. Ohne jedoch meine Gäste durch die vermeintliche Gaumenfreude aus dem Haus zu jagen oder doch gar zu vergiften. 

Italienische Penisse all’arrabbiata

Endlich saßen wir dann alle um viertel nach 10 zu Tische – denn bei den Spaniern zieht sich ja das Eintreffen der Gäste immer ein wenig in die Länge. Stolz wie Oskar präsentierte ich ihnen meine „Pen(n)e all’arrabbiata“. „Aber was ist denn los“ entgegnete ich Eduardo, der sich ein Schmunzeln nicht verkneifen konnte. Auch Jóse und Patricia konnten ihr Lachen nicht unterdrücken. Verwirrt und ein wenig verunsichert blickte ich an mir herab. Hatte ich vielleicht Sauce am Kinn oder an der Stirn? Mit einem breiten Grinsen erlöste mich endlich Elena von der Qual: „Pene, das heisst auf Spanisch Penis. Deshalb denken wir Spanier immer, dass die Italiener gerne Penisse mit Tomatensauce essen. Kann schon mal lustig werden, wenn man hier zum Italiener geht. Wir nennen Penne doch lieber Makkaroni.“ 

Da ham wir den (Wort)salat – ein deftiges Schmankerl aus dem Irrgarten der Sprache

Ob Penne, Pene oder Penis: Scheint doch ganz logisch zu sein. Denn alle drei Wörter kommen von einem lateinischen Wort: Penis. In der ewigen Stadt, zu Zeiten der Römer, hieß Penis nur „Schwanz (eines Tieres)“. Doch schon bald regte sich auch der Politiker Cicero darüber auf, dass das Wort Penis missbraucht werden würde. Sei das Wort doch vom rechten Wege abgekommen – ins Vulgäre, Schlüpfrige abgedriftet. Aber das Schimpfen und Aufbegehren hat nix genützt. Denn Penis blieb Penis. Bis heute. 

Von kleinen und großen Penissen

Und auch die deutsche Sprache fühlt sich kleinen und großen Penissen sichtlich hingezogen. Da gibt’s zum Beispiel den Pinsel, mit dem man gern mal vor sich her pinselt. Und wenn man sich was eingefangen hat, dann gibt’s da immer noch das Penicillin. Denn Penicillin (von penicillus) bedeutet nix anderes als klitzekleiner Penis. Unterm Mikroskop sehen die Pilzchen schon auch mal wie Minischwänzchen aus.
Im Englischen finden wir dann auch noch den „Pen“ und „Pencil“, die den gleichen Wortursprung wie der Penis haben. Ob Englisch oder Deutsch. Ob klein oder groß. Ob Penis oder Penischen. Eins mag feststehen: Auch wenn sich die Größenordnung ändern mag, die Form bleibt gleich. 

Was für eine (sprachliche) Karriere für ein Schwänzchen!?

Veröffentlicht unter Etymologie- Wortherkunft, Kleine Sprachgeschichten aus dem Alltag | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 3 Kommentare

Eine (Sprach)insel mit zwei Bergen – über das traurige Drama einer Kultur!


“Wir sind die Gallier der Schweiz”

Wir befinden uns im Jahre 2010 n. Chr. Ganz Graubünden ist von den Deutschen besetzt … Ganz Graubünden? Nein! Ein von unbeugsamen Schweizern bewohntes Dorf hört nicht auf, dem Eindringling Widerstand zu leisten.

Die neue deutsche Welle

Aufgehts zum Kühemelken!

Aufgehts zum Kühemelken!

Was Asterix und Obelix im Jahre 50 v. Chr zustieß, ist auf keinen Fall Schnee von Gestern. Denn hinter den sieben Bergen, bei den sieben Zwergen versteckt sich nicht Schneewittchen, sondern die Graubündner! Die neue deutsche Welle rollt auf sie zu, reißt schweizer Berge nieder, überschwemmt Täler und macht dem Rätoromanischen den Gar aus. Ein mancher Schweizer in Genf oder Bern mag sich den Teufel um das Rätoromanische – die vierte Landessprache der Schweiz – scheren.

Als Backpackerin zum Ziegenhüten

Letzten Sommer hab ich mir meinen Rucksack und meine Wanderstiefel vom Speicher gepackt und bin los gezogen. Immer gen Süden. Graubünden in der Schweiz entgegen, um einen Monat lang Kühe zu melken, Ziegen zu hüten und Heu vom Berghang bei 30 Grad im Schatten auf einen Wagen zu hieven.

Und: Um der Rätoromanische Sprache auf den Grund zu gehen. Ich wollte es wissen! Ich wollte eine Antwort auf diese Frage finden: Ist die rätoromanische Sprache in Graubünden dem elenden Untergang geweiht?

Viva la lingua rumantscha – Hoch lebe die rätoromanische Sprache!

(Ziegeneuter) - Seh die Dinge dochmal aus einem anderen Blickwinkel!

(Ziegeneuter) - Seh die Dinge dochmal von einem anderen Blickwinkel!

Ich wollte diese Sprache nicht erkunden. Ich wollte diese Sprache erleben! Und wie erlebt man eine Sprache? Indem man mit den Sprechenden spricht, lebt, isst, arbeitet und diskutiert. Eine Sprache und eine Kultur erlebst Du nicht in einer Jugendherberge oder einem 5-Sterne Hotel in St. Moritz.

Und so reiste ich von Ort zu Ort, von Haus zu Haus, und klopfte an so manche Tür. Oftmals wurde ich abgewiesen. Aufgeben? – Passt mir ja gar nicht in den Kram. Mein innerer Schweinehund hat da mal gar nix zu melden! Denn mit einem Lächeln und einer Portion Hartnäckigkeit hab ichs immer geschafft, mich durchzubeißen.

Mit Pfeil und Bogen stellen sich zum Kampf

Sie sind die Helden der Nation: mehr oder weniger 35.000 tapfere (muttersprachliche) Rätoromanen, die die Flinte nicht tatenlos ins Feld werfen – möge die Invasion der deutschen Sprache auch gnadenlos sein. Auch wenn man wohl heutzutage auf der Straße “Las Turnschuhas” hört, so ist Rätoromanisch die Sprache des Herzens. Deutsch ist Überlebenssprache. Mehr Notwendigkeit als Vergnügen! Siehe da, das Rätoromanische wacht aus dem Dornröschenschlaf auf. Es zeigt sich munter und mit Kämpfergeist gegenüber dem Angriff der deutschen Worte: Die Jugendlichen schämen sich nicht mehr wegen ihrer Sprache! Im Gegenteil, sie sind stolz auf ihre kulturelle Schatzkammer. Zurecht!

Das Comeback einer Sprache?

Es war einmal ein Geißenjunge namens Peter. Der lebte zufrieden mit seiner Heidi und seiner Ziege Gundula auf einer Alp im Herzen Graubündens. Da begab es sich zu jener Zeit, dass er einst Menschen auf Holzbrettern die Pisten hinunter fahren sah. Und auf einmal viel es unserm Peda wie Schuppen von den Augen. Er verkaufte Gundula und baute auf seiner Alp ein Schihotel. Nach und nach ließen sich immer mehr Urlauber vom Zauber des Engadins locken und verblieben ein paar Tage in Peters Schihotel – in St. Moritz. Bald kamen sie in Scharen und in großen Karossen. Aus Deutschland und aller Herren Länder. Sie lösten so manche Sprachlawine aus und begruben das Rätoromanische unter sich. Und wenn sie nicht gestorben sind, so kümmern sich der ZiegnPeda und seine Heidi noch immer um die Extrawürste ihrer Wellness- und Schigäste.

Leise Klänge in Zeiten großer Töne

Ich tische Euch hier kein Märchen auf! Mag das Rätoromanisch zwar in St. Moritz oder Davos ausgestorben sein, so lebt es doch im Herzen anderer Rätoromanen in Dissentis, Zernez oder Andeer weiter. In ursprünglichen Orten, wo sich ein wahrer ZiegnPeda heute noch wohlfühlen würde, leibt und lebt das Rätoromanische noch heute. Sei es im Kindergarten, am Arbeitsplatz, in der Kirche oder in der Jugendsprache. Dort hat das Rätoromanische dem Deutschen trotzig den Rücken gekehrt. Que será, será, whatever will be, will be! Die Zukunft der Rätoromanen liegt nach wie vor im Ungewissen.

Und die Moral von der G’schicht

Doch warum sind nun 35.000 Schweizer in Lebensgefahr? – Sprache ist Kultur. Kultur ist Sprache. Raubst Du Menschen ihre Sprache, so beraubst Du sie ihrer Kultur. Du nimmst ihnen den Lebensatem, den Lebenssinn und so manchen (gedanklichen) Rückzugsort. Du brichst Ihnen das Rückgrat, löscht ihre Vergangenheit, zerstörst ihre Gegenwart und schlägst ihre Zukunft in Scherben.

Veröffentlicht unter Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , | 6 Kommentare

Sind wir nicht alle ein bisschen KohlensaÜre?


Sitt durch KohlensaÜre! (ein Photo aus Spanien!)

Sitt durch KohlensaÜre! (ein Photo aus Spanien!)

Sachen gibt’s, die gibt’s gar ned!
Ein Artikel für alle Querdenker und die, die’s noch werden wollen!

Vom querköpfigen Querdenker
Lasst uns Querdenker sein! Lasst uns querfeldein, von einem Ast zum anderen hin, im Urwald der Wörter schwingen! Lasst uns querbeet den bunten Irrgarten der Buchstaben durchqueren, auf der Suche nach namenlosen Stilblüten.
Eben kreuz und quer durch das verzweigte Labyrinth, in dem dem Dichter und Denker, dem Leser und Zuhörer, und auch so manchem Querkopf Querbalken in die Quere kommen mögen. Aber bitte jetzt keine Querelen! Auch wenn Dir das jetzt querkommt! Denn Sprache ist für manchen Quereinsteiger! Man kann sie eben nicht auf ein Querformat pressen, weil sie viel zu verquer ist.

Der sprachliche Querbalken

Heut werd ichs mal mit einer neuen Masche versuchen – mit einem sprachlichem Querbalken. Jedoch möchte ich mich doch nicht als Sprachrebel outen, als Gegendenstromschwimmer im Mainstream. Lasst uns heute doch mal selbst einen Blick als Bademeister auf den Tümpel der deutschen Sprache werfen. Und auf das, was von der deutschen Sprache nach der Invasion der Anglizismen übrig geblieben ist.

Der Gegenbeweis der Gegenteile

Kreuz und quer gehen die Gedanken in meinem Kopf umher, doch immer sehe ich entweder schwarz oder weiß: Wir reden von Gegensätzen, von Gegenpolen, die das gegenwärtige Gegenüber oftmals dazu veranlassen, Gegenfragen zu entgegnen.

Kohlensaüre gegen den Wissensdurst

Geben wir uns unserem Tatendurst hin! Lassen wir uns vom Wissensdurst überschwemmen! Halten wir uns vom Rachedurst und vom Mordsdurst fern! Ansonsten werden wir noch vom Heißhunger heimgesucht.

An alle verqueren Querdenker

Denn an so manchem heißen Sommertag bekommt der Alois nach deftigen Spareribs au‘ noch an Mordsdurst auf an kühlen ‚Neger‘! Hat d’Alois seinen Bärenhunger gestillt und hängt zufrieden mit seiner Wamp’n über dem Bierbankerl des Kloster Andechs, so ist er wahrhaftig pappsatt! Und mit so einem ‚Neger‘ hat er jetzad au‘ endlich seinen Durst unter weiß blauem Himmel gestillt. Doch hier kommt der vermeintliche Querbalken: Wo bleibt das Gegenstück zu satt? Was sind wir, wenn wir unseren Durst stillen konnten?

Kampfansage

Jahrelang hat sich doch so mancher Querdenker, Sprachpurist und Stilapostel genau darüber seinen Querkopf zerbrochen. Doch damit war 1999 endlich Schluss. Der Kampf war gewonnen. Das Schlachtfeld der deutschen Sprache durfte geräumt werden. Ein weiterer Sieg des „Duden’schen Reinheitsgebotes der Sprache“. In einem Wettbewerb der Dudenreaktion im Jahre 1999 wurde so mancher Sprachfanatiker und Leibwächter der deutschen Sprache von seinen Sorgen befreit. Die ach so geniale, sagenhafte Lösung lautete: SITT!? Die Rettung der Sprache, die Befreiung von allen Sprachsünden?

Es lebe die Demokratie!

Ich rede hier nicht davon, was uns tagtäglich in den Medien vorgegaukelt wird (?). Ich rede von der echten, reinen, wahrhaftigen Demokratie. Denn Sprache: Das ist Macht. Das ist Demokratie. Aber keinesfalls Macht einer herrschenden Elite, einer Gruppe von Rechtschreibmissionaren, Jugendjargonverunglimpfern oder Grammatikpedanten. Es ist die Demokratie des Volkes. Die wahre Demokratie. Denn Sprache lebt durch diejenigen, die sie sprechen. Sie wird nicht von oben aufgeschwätzt, aufgezwungen oder heimlich unterbuttert. Nein, IHR seid es, die ihr die Sprache zum Leben erweckt, ihr eine Seele einhaucht und ihr Flügel zum Fliegen verleiht. Denn Sprache kann man nicht in einen rostigen Vogelkäfig mit Stahlgittern pferchen und sie mit Grammatikhäppchen und Stilschmankerl vor sich hinvegetieren lassen. Unsere Muttersprache wird also schon wissen, warum sie absolut keinen Bock auf das Wort „sitt“ hat.

Symptombekämpfung

Arme Sprachfrömmler und Grammatikverfechter, würd sich jetzt so mancher Rechtschreibhooligan denken. Aber geht’s hier nicht so ähnlich zu wie beim Arztbesuch? Wir gehen mit unseren unermesslichen Bauchschmerzen zum Arzt. Was bekommen wir? – Paracetamol! Ja, genau, das hochgepriesene und heißgeliebte Wundermittel gegen so manches Aua. Und zwei Wochen später müssen wir ins Krankenhaus mit einer Darmkolik eingeliefert werden!
Wenn Sprachideologen einem neuen Wort das Leben schenken, dann gibt uns das noch lang keine Antwort auf folgendes Rätsel: Warum gabs denn das Wort „sitt“ noch nicht davor?

Sachen gibt’s, die gibt’s gar ned!

Hmm… in Zeiten der fetttriefende Burgerking Double Cheeseburger oder schlemmerhafter Genussfreuden wie Sashimibonzenfutter können wir wohl oder übel von Sattheit sprechen. Auch wenn unser Völlegefühl manchmal darüber hinausgehen mag.
Doch können wir auch ein Völlegefühl von zu viel Wasser haben? Haben wir überhaupt so ein Gefühl?
Meistens Trinken wir ja auch, wenn wir essen. Und auch das Trinken wirkt sich positiv auf unser Sättigungsgefühl aus. Demnach: Wer mehr trinkt, wird schneller satt. Kann es also auch sein, dass “satt” unsere Rundumsättigung, ganz Wuarscht ob Hunger oder Durst, beschreibt? Vielleicht spricht ja satt nicht nur über den gesättigten Hunger! Und für was brauchen wir dann noch „sitt“?

Veröffentlicht unter Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 2 Kommentare

Der Raubbau an der Sprache – Wie wir tagtäglich unsere Muttersprache vergewaltigen!


Sprache sollte einem "Denkmalschutz" unterliegen?! Denn so mancher nutzt sie ab wie eine Tastatur oder Türklinke.
Sprache sollte einem „Denkmalschutz“ unterliegen?! Denn so mancher nutzt sie ab wie eine Tastatur oder Türklinke.

wuerde sich da nicht unser hochverehrter friedrich von schiller im grabe umdrehen saehe er was mit seiner heissgeliebten muttersprache geschehen ist ohne punkt und ohne komma kotzt so ein mancher seine gedanken auf den bildschirm heutzutage pfeifen wir doch lieber auf gross- und kleinschreibung umlaute scharfes s zeichensetzung und rechtschreibung in e-mails blogs facebook oder twitter

Ein Musterbeispiel des Untergangs

Keine Angst, ich bin nicht auf dem besten Weg, mich in einen Rechtschreibverbrecher oder Zeichensetzungshalunken zu verwandeln. Der obere Abschnitt war lediglich ein Musterbeispiel für das, was wir in Chats, in Facebook, Lokalisten oder so manchen Blogs von uns zwitschern (Neudeutsch: twittern).

Doch was passiert mit unserer (Schrift-)Sprache?

„Doch sowas gehört hinter Gitter!“ würd jetzt ein Günter Grass – sichtlich angewidert – von sich geben. Raubbau an der (Schrift-)Sprache! Verballhornung! Vergewaltigung der Sprache der Dichter und Denker! Mit dem Gedanken, dass der Dativ den Genitiv bald endgültig unterjocht hat, haben wir uns ja allmählich abgefunden oder sogar angefreundet, oder? Aber wohin bewegen wir uns sprachlich, wenn uns das Internet – auf das Englische getrimmt – Umlaute verbietet? Uns Anglizismen kopfüber eintrichtert! Wir können uns nicht wehren!

Das Drama einer Kultur

Jeder tut es. Ob jung oder alt. Wir twittern, posten, bloggen, mailen. Das Drama einer Kultur, wie es schon Fanta4 1999 ausgedrückt hat. Anglizismen über Anglizismen. Wir haben uns einst die Droge des weltweiten Netzes gespritzt und uns dabei selbst versklavt. Sind wir nicht elende Untertanen Facebooks? Und das auch noch freiwillig! Unglaublich! Was unterscheidet uns von Masochisten (gedanklichen wohlgemerkt!) – denn wir tun uns mit sozialen Netzwerken nix gutes! Und täglich spritzen wir uns eine höhere Dosis dieser „Medienmodedroge“. Doch was ist der Preis dafür? Punkt, Komma und Strich benutzen wir höchstens mal um ein ‚Smiley‘ oder wie es so schön im Deutschen heißt ‚Mondgesicht‘ zu malen. Wir geben uns dem Schreibfluss des mündlichen und schriftlichen Mülls hin. Lieben wir es nicht manchmal andere mit unserem überflüssigen Alltagsgeschichtchen zu überhäufen, eben ‚zuzuspamen‘. Im Gegenzug verleumden wir Schiller und Goethe, Kafka und Kleist.

Kraizbiarnbam und Hollastaudn

Nicht mal mein deutsches Rechtschreibprogramm zeigt die Wörter „posten, bloggen, mailen“ als falsch an. Was ist da denn bitte falsch gelaufen? – Eine ganze Menge! „Kraizbiarnbam und Hollastaudn“ wiard da jetzad unser Alois sagen. Denn auch wenn ers mit dem Deutschen ned so hat, so fühlt er sich wohl doch noch mehr diesem als dem Englischen verpflichtet.

Auch ein Komma ist nicht für die Katz‘

Was sollen wir also machen? Ist die Sprachschändung in Facebook & Co. nur eine Modeerscheinung? Twitter zum Beispiel hat ja auch sicherlich seine guten Seiten. Nämlich, dass man sich nur mithilfe von 140 Zeichen ausdrücken darf. Da wird einem schon sicherlich viel schriftlicher Spam erspart! Jeder Twitterer muss sich eben kurz und bündig ausdrücken, um seine Nachricht auf den Punkt zu bringen.

Apropos Punkt

Doch was kommt dabei raus? Wir streichen Kommas und Punkte in Twitter, um unsere Buchstabenanzahl weiter nach unten zu drücken. Punkt und Komma haben ja durchaus ihren Sinn, oder? Sie sind wohl ned hauptsächlich auf der Welt, um arme Schüler in den Wahnsinn zu treiben und uns bis ins Greisenalter heimzusuchen. Schaut euch nochmal den ersten Abschnitt an! Würd es Euch ned das Lesen erleichtern, hätte ich MIT Punkt und Komma geschrieben?
Wohin bewegen wir uns sprachlich? Wie hilft uns Twitter, Facebook & Co. täglich dabei, unsere heißgeliebte Muttersprache zu schänden und zu beflecken? Werden wir zukünftig in einer Welt ohne Punkt und Komma, ohne Großschreibung leben? Hat das ‚scharfe ß‘ ausgedient? Vielleicht sollten wir doch einmal mehr zum Deutschen Wort „zwitschern“ statt twittern greifen! Kleinvieh macht auch Mist.

Veröffentlicht unter Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , , , | 18 Kommentare

Das Land der unbegrenzten “Korrektheiten”


Unser Alois kommt da nur ins schmunzeln, wenns um die politische Korrektheit geht.

Unser Alois kommt da nur ins schmunzeln, wenns um die politische Korrektheit geht.

 

Was dem Münchner Weißwurstverfechter schlichtweg “Wurscht” ist, das ist des Amis hochheiliges Gut, sein hochgepriesenes Götzenbild der (vermeintlichen?) politischen Freiheit.   

Der Bazi Alois aufm heiligen Berg

Sonntag! Endlich! Tag des Herrn! Und was macht unser waschechter Bayer, der Bazi Alois vom Ammersee (wir kennen ihn ja schon aus dem Artikel „Mi leckts am Oarsch! Sackl Zement!“), an einem Sonntagnachmittag? – Genau, er geht auf den Heiligen Berg. Der heilige Berg? Aber nein, nicht der heilige Berg Sinai, sondern der heilige Berg am Ammersee, wo er gerne an einem strahlenden Tag wie heute, im Schatten sitzend, sein kühles Bierchen aus der Andechser Klosterbräuerei genießt.   

Doch, Sakradie (franz.: sacre dieu = heiliger Gott), was nutzt schon der schönste Ausblick, wenn man ihn ned mit seinen liab’n G‘freind teilen ko? Denn sei Spatzerl, d’Vroni, und sei‘ Spezi, d’Sepp, ham heut‘ koane Zeit, um sich in Alois‘ Gesellschaft deftige Fleischplanzerl, an Radi und herzhafte, goldbraune Brez‘n auf der Zunge zergehen zu lassen. Und bei dem Ausblick auf den Ammersee wüard‘s doch glei‘ doppelt so guat schmecken!   

Ein wahrer Verfechter der bayrischen Trinkkultur

Naja, der Alois mag zwar a bayrischer Grantler sein, aber dennoch is‘ er a g‘selliger Buarsch. Und er ratscht au so gern mit so manchem Praiss und Nichtbayern. Natürlich rein aus missionarischen Beweggründen😉. Also setzt sich jetzt unser Alois – in seiner Festtagshirschlederhos’n gekleidet – an den Tisch von Ryan Adams und seiner Frau Britney, zwei Amerikanern in Turnschuhen mit weißen Tennissocken – obwohl man ihnen wohl sonst diese Sportlichkeit nicht ansehen würd. Wie Ihr euch sicher vorstellen könnt: Ein Bild für die Götter!   

Der Streit übers Colaweizen

Die Unterhaltung geht zugegebenermaßen ein wenig sehr langsam voran, auch wenn sich Britney größte Mühe gibt, ihre wenigen Deutschkenntnisse aus ihrer Schulzeit anzuwenden. (Kein Wunder, unser Alois redet ja auch nicht wirklich Deutsch). Alois, in seiner Mission unterwegs, den Freistaat gebührend und von seiner besten Seite zu vertreten, ruaft erstmal der Resi, der Stämmigen Bedienung: „Für die Herrschaften Amerikaner bittschön zwoamal an NEGA!“ (Denn man muss ja auch den Amis mal zeigen, was bayrische Trinkkultur so alles zu bieten hat). –„An Nega?“. Bei diesem Wort kommt Brittney sichtlich die Galle hoch. Ihr dreht sich der Magen um. Sie ringt um Luft und verschluckt sich fast am warmen Leberkaas.   

„Whhhaaaaat is a Nega? A Nigger? Did I get that correctly?” Alois verzieht nur schmunzelnd seinen Schnurbart und sagt ausg’schamt: „Ja mei, mia in Bayern nennan a Weiznbier mit Cola „Nega“. I hab mir halt ´denkt, dass ihr von da drüben ned so viel verdragt.“   

Wieviel Korrektheit verträgt das Colaweizen?

Britneys Zweifel hatten sich doch tatsächlich bewahrheitet! Unfassbar! Hat es doch tatsächlich dieser Bierbauchfetischist in Lederhotpants gewagt, sich gegen die politische Modeerscheinung(?) Amerikas erheben. Es lebe die politische Korrektheit!?   

Wegen was macht sich dieser Ami jetzad so nen Kopf? Da Alois redet halt so´, wie’s ihm in den Sinn kommt. Er sieht ned die Welt durch die rosarote Brille! Soll Alois etwa sein vergöttertes Weizenbier mit Cola „beer of color“ oder „colored beer“ oder „strongly pigmented beer“ nennen?   

Ei Mann, bist Du korrekt!

Schauen wir uns mal ein anderes Beispiel im Englischen an! Das englische Wort für „behindert“: I“helen_heleni@hotmail.com“
m Deutschen wird das Wort ja (mehr oder minder, lässt man die Jugendsprache außen vor) neutral gebraucht.   

Im Englischen reicht aber das Wortspektrum von „lame“, „crippled“, „handicapped“, über „disabled“, „physically challenged“ hin zu „differently abled“. Und wie politisch korrekt (pc für politically correct) willst du sein? Der Horizont der politischen Korrektheit steht Deinem Geschmack offen. Jedem, wie’s gefällt!   

Wie viel politische Korrektheit ist genug?

Allerdings frag‘ ich mich bei politischer Korrektheit, hin oder her, Folgendes: Angenommen ich benutze „differently abled“, um eine Person mit einer Behinderung zu beschreiben, lenke ich nicht noch mehr Aufmerksamkeit auf die Behinderung? Lenke ich nicht noch mehr das Augenmerk darauf, dass eine Diskriminierung besteht? Diskriminieren heißt nämlich buchstäblich ins Deutsche übersetzt „einen Unterschied machen“. Demnach: Mache ich nicht noch mehr Unterschied zwischen mir und der behinderten Person, wenn ich sie mit einem künstlich zusammengestelltem Wort beschreibe?
Ich zeige doch dann noch mehr, dass ich mir Gedanken über den Unterschied mache. Selbst den Amis müsste „differently abled“ ein wenig eigenartig vorkommen!   

Das Land der Chancengleichheit?

Die USA – Das Land der Gegensätze. Nicht nur der geographischen, sondern auch der politischen und sozialen Gegenpole. Während in den Südstaaten die Afroamerikaner noch immer schlechter behandelt werden, lassen sich die Medien und die Politik im Norden ständig neue Ideen einfallen, um politisch korrekter und korrekter und korrekter zu werden.   

Ironie? Heuchlerei? – „Iwoooooo!“ würd‘ jetzt der Alois mit einem breiten Schmunzeln unterm Schnauzbart sag’n und laut rufen „Reeeesi, für mi noch a mal an „Neger“!   

Sind wir nicht alle ein bisschen (in)korrekt?

Veröffentlicht unter Sprache & Gesellschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , , , , | 9 Kommentare

Mi leckts am Oarsch! Sackl Zement!


Mia san so richtige Bayern

Mia san so richtige Bayern

Der Titel lässt schon so Einiges vorahnen. Denn hier gehts um die Eigenheiten der Brezn- und Weißwurstliebhaber. Hier gehts über die Bayern und ihren Dialekt! Doch aus diesem Artikel soll keineswegs eine weitere Siegeshymne werden, wie doch schon so ein mancher Praiss unter Euch vermuten mag.

Warum machen sich die Bayern zum Sklaven?

Zugegeben, als gebürtige und treue Bayerin fällt mir das Schreiben dieses Artikels schon ein wenig schwer! Es bricht mir fast mein Herz der Vaterlandsliebe, unseren schönen Freistaat a bissal verleumden zu miass’n. Ist das etwa der Triumph eines jeden Praiss’n? Aber irgendwann muss es ja mal gesagt werden?! Wohl oder übel!

Ein stolze Bayer, loyaler Bierbankdrücker unter weiß blauem Himmel bei einem kühlen Starkbier aus dem Kloster Andechs am Ammersee… was kanns für ihn schöneres geben? – Nicht umsonst nennen wir Bayern stolz unseren Freistaat DEN HIMMEL AUF ERDEN. Zurecht!? (Jeder Praiss mag mir vergeben, aber wie sagt man so schön: it’s nice to be a „Praiss“, but it’s higher to be a Bayer)

Alois, da Bazi vom Ammersee

Doch was hat nun jetzt ein Sklave mit so einem gmiatlichn boarischen Grantler, unserm Alois, mit seiner Wampn z´tun?

Warum macht sich der Lederhos’nanhänger und treuer Biergartenbesucher – sich am Obatzten und einer zünftigen Mass kaltem Starkbier aus dem Kloster Andechs am Ammersee labend – zum Sklaven?

Naja, nach einer Zeit wird doch unserm Alois – allein in Gesellschaft vom Kaas und Fleischpflanzal – a bissal langweilig. Doch siehe da! Endlich kommen sei‘ fesches Deándl, d‘ Vroni, und sei‘ Spezi, da Sepp, um mit unserm Alois, unser’m alteingesessenen Bazi vom Ammersee, seine Brotzeit zu teilen.

Und zur Begrüßung, was gibts da? Natürlich, da gibt’s a Bussal für’s liabste Spatzerl und a “Servus” für’n Spezi Sepp.

Die Geschichte vom Servus

Ein “Servus” (umgangssprachlich auch ausgesprochen Seavas oder Seas) werden sich jetzt die Praiss’n unter Euch fragen? Das ist ja noch schlimmer als das altbekannte “Grüß Gott”, an das ihr euch schon mehr oder minder gewöhnt habt! Mehr oder minder ;-)! Jaja, die Bayern und ihre Eigenheiten!

In Bayern ist das “Servus” nämlich eine allgemein gebräuchliche, freundschaftliche Grußformel (unter Spezln). Jedem das Seine, auch dem Bayern! Magstes glauben, oder ned!

Servus – ah so a Schmarrn

Lass uns doch mal im Wörterbuch nachschauen! Der gute, alte Herr Konrad Duden sollte uns wohl dazu ein wenig behilflich sein.

Beim Wort Servus kommt mir nun folgendes unter die Nase: [aus lat. Servus = (dein) Diener, Sklave] (bes. bayr., österr.): freundschaftlicher Gruß beim Abschied, zur Begrüßung.

Zefix” würd jetzt unser Alois in der Lederhosn und mit seiner Lebakaassemml in der Hand sag’n. “Ja, bist jetzad ganz dammisch g’worn? Und was hat jetzad ein Sklave mit mir zu tun, Sakradie?”

Und Alois holt schon fast zur ordentlichen Watsch’n aus, um mir so richtig Eine mitzugeben! Denn so ein richtiger Bayer versteht da gar nix, wenns um seine Ehre und die des Freistaates geht.

Die Erklärung der Eigenheit der Bayern

“Stopppp! Stopppp! Nichts für ungut, lieber, getreuer Verteidiger deines ach so schönen Freistaates, Anhänger des bayrischen Märchenkönigs, der im düsteren Starnberger See seinen sagenumwobenen Tod gesucht hat” – stoße ich da nur ängstlich von mir. Ich gehe erstmal einen großen Schritt zurück.

Lass uns doch mal von vorne anfangen. Fing doch alles mit unseren Vorfahren, den Bajuwaren an. Da, wo Bayern (genauer: Niederbayern, Oberbayern, Oberpfalz, den nordöstlichen Teil Schwabens, sowie die südöstlichen Teile Mittelfrankens und Oberfrankens) heutzutage liegt, lebte nämlich mal zur Zeit der Römer der Stamm der Bajuwaren – ein kühnes Völkchen tapferer Germanen. Unsere Provinz nannte sich mal Rätien, lateinisch Raetia, dessen Provinzhauptstadt Augustum Vindelicorum hieß – das heutige Augsburg.

Ob du’s glauben möchtest oda ned, Alois, auch deine Vorfahren wurden mal von den Römern versklavt – sie wurden Mägde und Knechte!

Und früher im römischen Reich haben sich die Sklaven, Mägde und Knechte einem möglichen zukünftigen Herrn durch das Wort “Servus” angeboten. “Servus” war also nix anderes als ein Angebot, dem Herrn zu dienen. Und daher hat sich wohl dieser Begriff geprägt und ist bis heute in aller Münder in Bayern zu hören.

Also merk dir

Nächstes Mal, wenn dir ein ach so stolzer Bayer “Servus” sagt, weißt du ja, dass er (zumeist) unwissentlich dein persönlicher Diener sein will! Tja, neben kulinarischen Schmankerl wie Schweinshax’n mit Knödeln und Blaukraut gibts eben auch so manche sprachliche Genüsse für die Nichtbayern.

Wer a bissal Hilfe mit den boarischen Wörter braucht, hier ist ein Link für alle Nichtbayern und Praiss’n.

Veröffentlicht unter Boarisch, Liebhaber der Dialektlandschaft | Verschlagwortet mit , , , , , , , | 18 Kommentare

Von Tangas und Flipflops


Ja, hier gehts um Mehrdeutigkeit und seine Tücken… um falsche Freunde. Aber keineswegs um falsche Freunde, wie sie zwischen dem Englischen und Deutschen bestehen (wie zum Beispiel im Deutschen: Geschenk, gleichbedeutend zum englischen Wort: gift).

Und hast du's gewusst?

Und hast du's gewusst?

Nein, hier geht es viel eher um die heimlichen Sprachkriege der Australier gegen Briten und Amerikaner. Ja, du hast ganz richtig gelesen! ‚Down Under‚ kann auch anders als netter, blonder Beachboy mit Surfbrett und ‚Sixpack‘.
Heimliche sprachliche, unterschwellige Kriege, um sich gegenseitig in peinliche Situationen zu hieven.

Von Flipflops und Tangas

Wie kann man einen Tanga mit Flipflops in Verbindung bringen? Naja, da gibts verschiedene Möglichkeiten. Man könnte sich die Blöße (oder für manch anderen auch die Annehmlichkeit) geben, nur in Tanga und Flipflops auf der Straße zu erscheinen. Es gibt eben verschiedene Möglichkeiten. Der Phantasie sind wohl wenig Grenzen gesetzt.

Meine Reise ins Australische Outback

Nein, aber eigentlich ist der Zusammenhang anderer Natur. Alles fing mit meiner Reise ins Australische Outback an. Wenn ich australisches Outback sage, meine ich es auch: Alice Springs. Mitten im sechs größten Land dieser Erde. 1500 km von der nächst größeren Stadt. Klingt angenehm, oder? Naja, “gottseidank” ist Alice Springs ja mit ihren circa 26.000 Einwohner eine Metropole der weiten, heißen Sandwüste, in der sich die giftigsten Tiere der Erde nur geradezu tummeln.

Auf meinen Austausch zur Highschool dieser Kleinstadt lernte ich auch andere Austauschschüler aus den USA, aus Kanada und aus dem Vereinigten Königreich kennen.
Eines Abends wollten wir noch kurz in die Innenstadt (falls man das so nennen kann). Wir machten uns fertig und holten die anderen Mädels von ihrer kleinen Wohnung ab.

Die peinliche Situation

Als Lucy, eine meiner australischen Freundinnen strahlend zu Jessica, einer Britin, sagte“I really like your thongs, where did cha get them?”, schaute Jessica nur verblüfft. “You like my thooooooooongs?”, sagt sie, verunsichert. Sie richtete ihre Augen auf ihren Po. Und lief knallrot an – wie eine Tomate.

Die Erklärung

“Aber man kann doch gar nicht meine Unterwäsche sehen!”- “Ich rede auch gar nicht von deiner Unterwäsche, sondern von deinen Schuhen – von deinen THONGS – wir im Nothern Territory nennen Flipflops nun mal Thongs. Wie kommst du denn darauf, dass ich von deiner Unterwäsche rede?” erwiderte Lucy, die Australierin.

Da war Jessica aber erleichtert und hat gleichzeitig auch was dazugelernt. Was in Australien nämlich ein Schuh ist, das ist in Großbritannien ein Stück Unterwäsche! Thongs bezieht sich in Australien auf das, was im britischen und amerikanischen Englisch Flipflops sind.

Also Merk‘ Dir lieber …. !

Also lieber diesen Unterschied im Kopf behalten, wenn du eine eher peinliche Situation vermeiden willst. Benütz‘ in Australien einfach Thongs für Flipflops (wobei die Australier natürlich auch das Wort ‚flipflops‘ verstehen)! In Großbritannien rede einfach von Flipflops, wenns um die Schuhe geht, und von Thongs, wenn du wirklich vorhast, über Unterwäsche zu reden.

Veröffentlicht unter False Friends - Falsche Freunde, Kleine Sprachgeschichten aus dem Alltag | Verschlagwortet mit , , , , , , | 3 Kommentare